Polizei setzt häufig Stille SMS zur Ortung Verdächtiger ein
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Englisch: Police frequently uses Silent SMS to locate suspects
Ein Thema, das im Laufe des von 27. bis 30. Dezember 2011 in Berlin stattgefundenen 28. Chaos Communication Congress (28C3) aufgetaucht ist, ist der Einsatz so genannter stiller SMS, die die deutsche Polizei dazu nutzt, um Verdächtige ausfindig zu machen.
Mit diesen stillen SMS, auch Flash-SMS genannt, kann eine Nachricht an ein Mobiltelefon übermittelt werden, ohne dass es der Empfänger bemerkt. "Die Nachricht wird vom Gerät des Empfängers nicht angenommen und hinterlässt keine Spuren. Der Absender erhält aber eine Nachricht vom Betreiber, mit welcher der Erhalt der stillen SMS bestätigt wird," erklärten die Entwickler von Silent Services, einem Unternehmen, das als eines ersten eine zum Versenden solcher SMS erforderliche Software entworfen hat.
Kryptospezialist Karsten Nohl und sein Kollege Luca Melette zeigten in ihrer Präsentation am 28C3 auf, dass die Polizei in Deutschland im Jahre 2010 Tausende solcher stiller SMS zur Lokalisierung Verdächtiger versendet hat.
Stille SMS wurden ursprünglich entwickelt, um Betreibern eine Bestätigung übermitteln zu können, ob ein Mobiltelefon eingeschaltet ist, und um das Netzwerk testen zu können, ohne den Nutzer zu behelligen. Diese stillen SMS haben sich allerdings für die Polizei vielerorts als nützlich für das Aufspüren von Verdächtigen erwiesen. Die stillen Nachrichten erlauben eine präzise Lokalisierung eines Mobiltelefons über das GSM Netz.
"Wir können einen Nutzer lokalisieren, indem wir die drei nächstliegenden Funkmasten identifizieren und dann im Triangulationsverfahren über die Geschwindigkeit, mit der ein Signal zurück übermittelt wird, die Entfernung errechnen. Ein Handy aktualisiert laufend seine Anwesenheit im Netz, aber wenn sich die Person bewegt, wird diese Information nicht ebenfalls sofort aktualisiert. Durch die Übermittlung einer stillen SMS wird die Standortangabe des Handys aber augenblicklich erneuert. Das ist sehr praktisch, denn es erlaubt die Bestimmung des Standorts zu einem bestimmten Zeitpunkt, abhängig von den Radiowellen," erklärte Karsten Nohl.
Laut dem Heise-Journalisten Mathias Monroy wird diese Technologie häufig eingesetzt, weil man sich dabei aus rechtlicher Sicht in einem Graubereich befindet. Das Gesetz sagt nichts Konkretes darüber aus, ob stille SMS als Kommunikation anzusehen sind oder nicht. "Die Landesregierung hat befunden, es handle sich um keine Kommunikation, weil keine Inhalte übermittelt werden. Dieser Standpunkt erweist sich als nützlich. Denn wenn es sich nicht um eine Kommunikation handelt, fällt der Vorgang nicht unter den Schutzbereich von Grundgesetzartikel 10 über die Unverletzlichkeit des Brief, Post- und Fernmeldegeheimnisses."
Am 6. Dezember 2011 hat der deutsche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bekanntgegeben, Polizei und Verfassungsschutz hätten 2010 rund 440.000 stille SMS verschickt.
Obwohl es von Seiten der französischen Behörden noch keine Bestätigung dafür gibt, arbeiten Polizei- und Sicherheitsbehörden mit Deveryware, einem "Geolokalisierungsdienst", der Handyortung, GPS und andere Echtzeit-Ortungstechniken miteinander kombiniert. Auf die Frage von OWNI.eu, ob stille SMS auch zu diesen Techniken zu zählen sind, zeigte sich das Unternehmen ausweichend: "Leider können wir darauf wegen der uns gesetzlich auferlegten Geheimhaltung nicht antworten. Die Deveryware-Anwendungen erlauben es den Ermittlern, die Bewegungen von Verdächtigen aufzuzeichnen und zu speichern."
In den Niederlanden setzt die Polizei solche Techniken seit 2006 ein. Im Februar 2011 gestand ein Staatsanwalt im Zuge der Verhaftung von elf Somaliern wegen Terrorismus ein, der Einsatz dieser Technik, in diesem Fall e-zine Webwereld, sei gängige Praxis bei der Überwachung bei Drogendelikten, organisiertem Verbrechen, Menschenhandel und bei Selbstmordgefahr. Eine gesonderte richterliche Anordnung hierfür sei nicht erforderlich, weil mit dieser Technik nur Ortungsdaten erfasst werden.
Bei einer entsprechenden Debatte im niederländischen Parlament im März 2011 sagte der Justizminister, diese "Untersuchungsmethoden werden schon seit langem bei einer Vielzahl von Straftaten angewendet. Diese Technik kommt nur zum Einsatz, wenn die Telefonnummer bereits abgehört wird." Der Minister erklärte auch, stille SMS wären bereits in etlichen Fällen eingesetzt worden und der Richter habe diesen Einsatz stets für rechtmäßig befunden.
Nohl zeigte bei seiner Präsentation am 28C3 auf, dass diese Technik zusammen mit leicht erhältlichen Tools von Angreifern dazu benutzt werden kann, bei einem bestimmten Handy Anrufe und Textnachrichten auszulösen. Einige User hätten bereits Rechnungen über Tausende Euro für Anrufe und Nachrichten zu karibischen Mehrwertdiensten erhalten, so Nohl. Der Experte forderte die Betreiber von Mobilfunknetzwerken, Netzwerkausrüster und Gerätehersteller auf, zum Schutz gegen solche Angriffe Techniken zur Verbesserung der GSM Verschlüsselung einzusetzen. Die Techniken seien bereits vorhanden, würden aber nicht angewendet.
* Getting the Message? Police Track Phones with Silent SMS (30.01.2012)
* 28C3: New attacks on GSM mobiles and security measures shown (28.12.2011)
* 28c3: Defending mobile phones (28.12.2011)
* Jährlich eine Viertelmillion "Stille SMS" (22.11.2011)
* Zoll, BKA und Verfassungsschutz verschickten 2010 über 440.000 "stille SMS" (13.12.2011)
* SMS häufig zu Untersuchungszwecke eingesetzt (Niederländisch, 4.02.2011)


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