SuchenNewsletter / HinweiseUnser Newsletter informiert Sie regelmäßig über Neuerungen bei unwatched.org, wie beispielsweise neue Ausgaben von EDRi-gram. Abbonieren Sie ihn hier: Gerne können Sie uns auch auf interessante Veranstaltungen und Webseiten hinweisen! kommende Termine
EDRI-gram Nr. 5.12, 20. Juni 2007 |
ENDitorial: Die Cybercrime-Tagung 2001 des Europarates ist gefährlicher denn je
1
Mi, 27/06/2007 - 15:10
Der Europarat (CoE – Council of Europe) hat die weltweite und breite Ratifizierung seiner Cybercrime-Tagung definitiv zur Priorität erklärt. Diese steht seit November 2001 für Unterschriften bereit und trat am 1. Juli 2004 in Kraft. Als Teil der Bemühungen dieses Ziel zu erreichen, wurde vom 11.-12. Juni 2007 eine Konferenz zum Thema „Kooperation gegen Cybercrime“ in Straßburg abgehalten. Zu diesem Anlass war auch EDRI eingeladen eine Präsentation abzuhalten (einige Präsentationen der Teilnehmer sind auf der Website der Konferenz erhältlich). Diese Konferenz wurde im Rahmen des Octopus.Proggrammes des Europarats gegen Korruption und organisiertes Verbrechen in Europa organisiert; drei Jahre nach der Veranstaltung „Das Problem Cybercrime“ im Jahre 2004 und zwei Jahre nach der gemeinschaftlichen CoE-OAS-Konferenz (Organisation of American States) zum Thema „Cybercrime: ein globales Problem, eine globale Lösung“. Der Europarat hat diese Tagung auch in vielen internationalen Foren, inklusive dem Weltweiten Gipfeltreffen der Informationsgesellschaft und seinem folgenden Internet Governance Forum, angepriesen. Zum Schluss wurden zahlreiche regionale Treffen und Lehrveranstaltungen für Mitgliedsstaaten und dritte Staaten abgehalten, um ihnen bei der Implementierung konferenzfertiger oder –kompatibler Bestimmungen in ihrer Gesetzgebung zu helfen. Rund 140 Teilnehmer wohnten der Konferenz bei (die Liste ist auf der Website der Konferenz zu finden). Darunter befanden sich hauptsächlich Gesetzvollzugsbehörden (LEA – Law enforcement authorities) aus der ganzen Welt (49 Länder von 5 Kontinenten), 12 internationale Organisationen (u.a. EUROPOL, INTERPOL und ENISAi – die Sicherheitsbehörde für europäisches Netzwerk und Information), 3 nichtstaatliche Organisationen (EDRI, ICMEC – das Internationale Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder, und die Französische Menschenrechtsliga), 3 Foren internationaler Multiinteressensvertreter (der Inhope-Verband der Internethotlines, das Anti-Phishing-Forum und die London Action Plan gegen Spam) und 3 aus dem privaten Sektor (Microsoft, NASSCOM – Indiens nationaler Verband für Software- und Dienstleistungsunternehmen, und RSA). Überraschenderweise nahmen keine Repräsentanten der Internetdienstanbieter (ISPs) teil, und keiner von ihnen wurde eingeladen eine Präsentation vorzuführen, obwohl die Cybercrime-Konferenz ihnen eine große Last auferlegt; schließlich benötigen die meisten ihrer Verfahrensbestimmungen (Artikel 16-21) die Kooperation der Internetdienstanbieter für die Bewahrung, Erzeugung, Suche und Beschlagnahme gespeicherter Computerdaten, der Echtzeiterfassung von Verkehrsdaten und die Überwachung von Inhaltsdaten. Microsoft hingegen wurde gut repräsentiert und ihm wurde ganzen drei Präsentationen in Plenarsitzungen offensichtlich eine wichtige Rolle in der Konferenz zugesprochen. Die Präsentation von Alexander Seger, Leiter der Technischen Kooperation in der Behörde für Deliktprobleme (Head of Technical Cooperation in the Department of Crime Problems) (CoE Generaldirektion für Rechtsangelegenheiten), lieferte Hilfestellungen zum Verständnis dieser Sonderbehandlung: der Europarat hat ein neues Projekt gegen Cybercrime gestartet, „ein globales Projekt zur Unterstützung europäischer und nicht-europäischer Länder beim Beitritt und der Implementierung der Cybercrime-Konferenz oder dem Protokoll bezüglich Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“, das im September 2006 für die Dauer von 30 Monaten begann (Details hierzu sind auf der Website der Konferenz zu finden). Das Gesamtbudget beträgt 1,7 Millionen Euro, von denen derzeit bloß 550,000 Euro erhältlich sind: 290,000 Euro aus eigener Finanzierung des Europarates und 260,000 aus Beisteuerungen seitens Microsoft. Es muss gesagt werden, dass diese private Fianzierung für den CoE eine neue Methode darstellt, die soweit geht, dass die Finanzierung von Seiten Microsofts vom CoE Ministerrat bewilligt werden muss. Das Interesse einer Firma wie Microsoft an einem solchen Projekt steht in direkter Verbindung mit den stichhaltigen Bestimmungen der Konvention (Art. 2 bis 13), die auf die Harmonisierung der Kriminalisierung durch die Kommission von „Verbrechen gegen die Geheimhaltungspflicht, Integrität und die Verfügbarkeit von Computerdaten und –systemen“ (Art. 2-6), „Verbrechen in Verbindung mit Computern“ (Fälschung und Betrug, Art. 7-8), „Verbrechen in Verbindung mit Inhalten“( Kinderpornographie im Internet, Art. 9), „Verbrechen in Verbindung mit Verstößen gegen das Urheberrecht und verwandte Rechte“ (Art. 10) oder Versuche, Hilfestellungen oder Beihilfe der Kommission zu solchen Vergehen (Art. 11). Die wirklich wichtigen Themen für die LEAs während dieser Konferenz bestanden in den häufigsten Drohungen und den neuesten Trends, die sie in den gegenwärtigen Cybercrime-Aktivitäten beobachten: Spamming, Phishing und dessen viele Varianten durch SMS (SMSishing), VoIP (Vishing), DNS Umleitungen (Pharming), die Verwendung von Botnets, die Verwendung von P2P-Netzwerken und Instant Messaging Systemen fanden sich unter den vielen aufgezeigten Formen von Cybercrime. Auch wenn die Präsentationen zu diesen Trends (besonders durch Europol und französischen LEAs) den Mangel an Statistiken und die Schwierigkeiten bei der Sammlung von Daten über Verbrechen solcherart zugaben, konnten sie sich auf den derzeitigen Umfang und dessen Ausweitung einigen, und kamen zu dem Schluß, dass es immer wichtiger wird, Anonymität und Verschlüsselungen von Datenaustauschen einzugrenzen – wenn nicht sogar zu verbieten – um die Verwendung des Internets von Cybercafes und anderen öffentlichen Plätzen aus besser kontrollieren zu können und – last but not least – die Zusammenarbeit zwischen dem privaten Sektor (Telekomanbieter und ISPs) und die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen LEAs zu verbessern, sodass beide Seiten sich gegenseitig unterstützen können. CoE Octopus Conference 2007 (11-12.06.2007) CoE Octopus Conference 2004 (15-17.09.2004) Joint COE-OAS Conference 2005 (12-13.10.2005) EU Article 29WP Opinion on the CoE Draft Convention on Cybercrime (22.03.2001) GILC coalition "Treaty Watch" website IRIS dossier of the campaign against the Convention and its Protocol (only in French) EDRI-gram: From Schengen To Prüm: Data Protection Under 3Rd Pillar A Prerequisite (28.02.2007) CoE Convention no.108 on data ptrotection (28.01.1981) (Beitrag von Meryem Marzouki, EDRI-Mitglied IRIS - Frankreich) Trackback URL für diesen Eintrag:http://www.unwatched.org/trackback/549
|
Werbung |