Wochenrückblick 24.03. - 06.04.2008

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So, 06/04/2008 - 17:09

Nach der Osterpause gibt es heute wieder einen Wochenrückblick, der sich diesmal mit den Ereignissen der letzten beiden Wochen befasst:
Die Mitarbeiterüberwachung im Handelskonzern Lidl führt die Schlagzeilen im Bereich Beobachten, Lauschen und Speichern an. Nur einer der Gründe, warum die deutschen Datenschützer nach einer neuen "Datenschutzkultur" rufen. Der deutsche CCC hat den Fingerabdruck von Innenminister Schäuble aufgefangen und als verwendungsbereite Atrappe veröffentlicht (soviel zur Sicherheit von biometrischen Systemen). RFIDi-Zugangskontrollsysteme (für Gebäude und Autos) sind auch nicht sicher und gleich mehrmals gehackt worden. Die Klageschrift des EU-Parlaments gegen die Fluggastdaten-Weitergabe wurde veröffentlicht.

In eigener Sache darf ich auch noch auf eine Veranstaltung in Linz aufmerksam machen: Am 17.04. werde ich bei Modern Talking ? - RFID-Kleine Funkchips auf Reisen! einen Vortrag zu Datenschutzaspekten von RFIDi halten.

Der unvollständige Wochenrückblick:

Beobachten, Lauschen und Speichern
Mitarbeiter der Handelskette Lidl wurden massiv überwacht; Internet Service Provider in USA und GB überwachten ihre User; RFIDi-Systeme werden zur Kundenüberwachung eingesetzt; das IOC fordert offenen Internetzugang während der Spiele in China; Kommentare auf StudiVZ können den Job kosten und die 75. Konferenz der Datenschutzbeauftragten Deutschlands fordert eine neue "Datenschutzkultur".

Daten sammeln und (un)freiwillig preisgeben
Große Aufmerksamkeit wird einer Publikation des CCC zuteil. Die deutschen Hacker haben eine verwendungsbereite Schablone des Fingerabdrucks von Innenminister Schäuble veröffentlicht und weisen damit auf die Sinnlosigkeit von Fingerabdrücken in Reisepässen hin. Für RFIDi-Zugangssicherungen gab es zwei herbe Rückschläge: Der häufig verwendete Mifare-Chip, der auch in RFIDi-Bezahlsystemen verwendet wird, wurde gleich von zwei Forscherteams gehackt und die RFIDi-Fahrzeugsicherungssysteme wurden ebenfalls geknackt. Zwei Beispiele dafür, dass Sicherheit durch Geheimhaltung von Funktionsweisen in der IT nicht funktioniert.

(Kommende) datenschutz-relevante Entscheidungen
Washington hat ein neues RFIDi-Gesetz, das das heimliche Lesen von RFIDs verbietet (die europäische Forderung nach sicheren RFIDi-Systemen halte ich für zielführender). Die Klageschrift des Europaparlaments gegen die Fluggastdatenweitergabe ist nun öffentlich zugänglich. Die Ausländer-Datensammlung könnte eingeschränkt werden, deutsche Finanzbehörden dürfen geheime Datensammlungen halten.

Technische Entwicklungen / Forschung
Im Forschungs-Abschnitt ist diesmal besonders ein Projekt zur Erforschung von RFIDi-basierter Überwachung zu erwähnen, bei dem 200 Lesegeräte für eine flächendeckende Überwachung von Menschen und Gegenständen sorgen. Weiters: genauere Verkehrsüberwachung und Gesichtserkennung.

Veranstaltungen / Termine / Lesestoff
Am 17.04. habe ich die Ehre bei Modern Talking? in Linz einen Vortrag über Datenschutzaspekte von RFIDi halten zu dürfen. Weitere RenderInnen sind Prof. Ferscha und Melanie Rieback.
Für alle Bastelfreunde gibt es einen Link zu einer Enigma-Bastelanleitung; Bruce Schneier hat auf einen Artikel aus dem Jahr 1967 hingewiesen, der aktuelle Überwachunsszenarion erstaunlich präzise vorhergesagt hat; Veranstaltungen und Berichte von deutschen Datenschützern runden den Lesestoff ab.

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